Wie es mir gelang, meine Daten bei 123people zu löschen

11. Dezember 2009

Beim allwöchentlichen Ego-Googlen stellte ich neulich fest, dass mir die Personensuchmaschine 123people.at eine eigene Seite widmet. Keine recht aussagekräftige allerdings: Ein Foto eines älteren Herrn, das 123people auf dieser Seite für das meinige ausgab, hatte aber schon gar keine Ähnlichkeit mit mir, und die im Google-Snippet versprochene Biographie war auch nicht zu finden.

Robert Wetzlmayrs Fotos. Not.

Nicht etwa, dass ich etwas zu verbergen hätte, aber aus einer wahren Sorge um die Relevanz der Google-Suchtreffer heraus wollte ich “mein” Profil bei 123people verschwinden lassen. Ich weckte Sancho Pansa, bestieg die treue Rosinante und zog in den Kampf gegen Windmühlen 2.0.

Wir bauen einen Dialog aus Textbausteinen

Im Impressum von 123people.at findet man die E-Mail-Adresse searchfeedback_at@123people.com für Support-Anfragen. Dorthin schrieb ich Folgendes:

[…] ich untersage 123people, meinen Namen für eine Seite Ihrer Website zu verwenden, und fordere Sie hiermit auf, die unter http://www.123people.at/s/robert+w... abrufbaren Daten zu entfernen.

Tags darauf kam auch schon eine Antwort. Karin S. vom “123people Team” hatte anscheinend aus dem Repertoire von Antworttextbausteinen ein paar erfolgversprechende ausgewählt und ließ mich wissen, dass…

  • …123people eine Personensuchmaschine sei, die öffentliche und im Internet frei zugängliche Informationen verarbeite
  • …123people weder Daten speichere noch veröffentliche

Richtig ist das offensichtlich nicht, denn Google zieht sich seine Trefferliste nicht aus den Haaren, sondern indiziert das, was der Crawler findet.

Ich vermutete, dass Karin S. an den falschen Textbaustein geraten war.

Aber das war eventuell mein Fehler, weil ich mein Anliegen nicht deutlich genug formuliert hatte. In meiner Antwort an Karin S. versuchte ich, diese Scharte auszuwetzen:

Ich untersage 123people hiermit, eine Seite zu veröffentlichen, die meinen Namen im Titel trägt (d.h. im HTML-Element TITLE oder anderer gleichwertiger Stelle), in deren META-Element “description” der Text “Alles was du über Robert W… wissen musst” oder ähnlich enthalten ist, in deren META-Element “keywords” die Worte ““robert w…, w…, robert w… Email, robert w… CV, robert w… Lebenslauf” oder ähnliche enthalten sind, und die zur Indizierung durch Suchmaschinen-Crawler zugänglich ist.

I am not a lawyer, and neither are you

In der darauf antwortenden E-Mail wurde ich darauf hingewiesen, dass aus rechtlichen Gründen wegen Namensgleichheiten kein gesamter Name gesperrt werden könnte.

Aus meiner Sicht ging diese Parade wieder am Thema vorbei, aber ich bin kein Jurist – da musste ich leider noch mal bei Karin S. nachhaken:

[…] Ist 123people durch ein österreichisches Gesetz verpflichtet, Seiten mit Titeln, Meta-Descriptions und Meta-Keywords zu publizieren und in den Suchmaschinen zu platzieren? Können Sie mir die Gesetzesstellen oder Gerichtsurteile nennen?

123people ermittle nur veröffentlichte Daten gemäß § 8 Datenschutzgesetz 2000 und brauche die Zwischenspeicherung aus technischen Gründen, antwortete man mir darauf. Ein guter Hinweis!

Finale

Ein paar Paragraphen weiter unten sagt das österreichische Datenschutzgesetz nämlich etwas ganz Vernünftiges

§ 28. (2) Gegen eine nicht gesetzlich angeordnete Aufnahme in eine öffentlich zugängliche Datei kann der Betroffene jederzeit auch ohne Begründung seines Begehrens Widerspruch erheben. Die Daten sind binnen acht Wochen zu löschen.

Kein Foto von Russell E. List-PerryWusste Karin S. von 123people nicht, dass “Zwischenspeicherungen aus technischen Gründen” im Datenschutzgesetz nicht vorkommen? War mein Widerspruch nicht schon aus meinem ersten Mail zu erfühlen, wenn man ein wenig zwischen den Zeilen liest?

So schrieb ich noch ein letztes Mail, deutlich und klar.

Mit Erfolg: 123people führt seit Kurzem keine Seite mehr unter meinem Namen, und wenn ich bei 123people.at nach meinem Namen suche, finde ich im Quelltext des Ergebnisses:

<meta name="robots" content="noindex, follow, noarchive" />

Na, geht doch.

(Foto: Nic, CC-BY-SA)

Kommentare

  1. Glückwunsch. Von dem AT Datenschutgesetz sollte man in DE mal abschreiben.

  2. ist das in DE auch ohne weiteres möglich, denen sowas zu verbieten?

  3. würd mich auch mal interessieren. immerhin gibts mit meinem namen auch sachen die nicht zu mir gehören und so ein falsches bild erwecken

  4. Dieser Artikel ist eine Wohltat. Wenn mir jetzt noch jemand verrät wie man dem Treiben von Yasni ein Ende bereitet, mach ich einen Sekt auf.

  5. Vielleicht sollte man gegen diese kleine handvoll Anbieter eine wohlorganisierte Aktion starten. Möglich muss es doch sein, die nach ähnlichem Vorbild wie oben klein zu bekommen. Ich gucke immer mit ein wenig Argwohn auf die Daten bei 123people, etc.

  6. Klasse Artikel, Respekt!

    @Maik: Yasni, hat wohl so ziemlich jeder auf dem Kieker. Ein “How-to-delete-my-yasni-page” wäre auch hilfreich ;o)

  7. Das sind ja wunderbare Nachrichten. Gleich wie ich das gelesen habe dachte ich mir: Ein simples Webformular aufsetzen mit vorbefüllter Nachricht mit Bezug auf den Paragrafen, Namensfeld und fertig. Glaubst du sowas würde gehen?

  8. ist das in DE auch ohne weiteres möglich, denen sowas zu verbieten
    Das österreichische Datenschutzgesetzt baut auf der Datenschutzrichtlinie der EU auf, die von allen Mitgliedsstaaten umgesetzt werden muss, Daher sollte man auch im deutschen Recht ähnliche/gleiche Umsetzungen finden.

  9. Hallo
    Weiter oben schreibt jemand, was bei dem .AT Anbieter funktioniert, geht auch beim .DE Anbieter. Nun stellt sich mir die Frage, ob man hier 1:1 mit einer Mail argumentieren kann. Mir gehen diese Seiten auch dermaßen auf den Nerv.

  10. Ich versuche es auch gerade und mache genau den selben Weg durch.
    In meiner zweiten Antwort habe ich nun aber gleich den Gesetzestext übernommen und freue mich schon auf dei Antwort…;)

  11. Vielleicht ist auch das hier interessant: sewoma.de/berlinblaw…

    Ich habe dieselbe Antwort erhalten, meine Daten dürften aber gelöscht worden sein.

  12. thx – hab ich auch gleich mal eingeworfen ;)

  13. Leider scheint es in Deutschland nicht so einfach zu sein – auf mein Verlangen, meine Daten zu entfernen, bekam ich von 123people folgende Mail-Antwort:

    _______________________________________
    Sehr geehrter Herr M.

    aufgrund möglicher Namensgleichheiten werden wir keinen gesamten Namen sperren, sondern nur die Links, die auch wirklich Sie betreffen. Wenn Sie uns diese Links schicken, werden wir uns gerne um Ihr Problem kümmern.

    Beste Grüße
    123people Team
    Tamara Winter
    ____________________________________________

    Was ratet ihr mir?

  14. Das ist eine Super-Idee Robert. Leider gibt es diesen § 8 bei uns nicht in so direkter Form. Aber es gibt ihn indirekt. Und da muss ich mich mal dransetzen. Das kriegen wir auch in DE hin. Ich werde berichten, wenn ich es geschafft habe.

    Danke

  15. Respekt für deine Hartnäckigkeit und das Veröffentlichen deiner Erfahrung. Ich will auch raus da.

  16. Hey,

    falls es euch auch interessiert, wo ihr eure Daten noch (außer bei 123people) finden könnt, dann schaut einfach mal in diese Auflistung weiterer Personensuchmaschinen: www.alternato.de/pro…. Hier ist außerdem zu jeder einer kurze Beschreibung sowie Vor- und Nachteile. Fand ich echt hilfreich.

    Grüße, Hansi

  17. 123people haben sich sehr gebessert, weil sie einfach keinen Bock mehr auf Dreck haben. Was mich angeht (Name geändert) konnte ich erfolgreich alles löschen lassen, was mich in einem negativen Licht darstellt, sprich: was von dem Vollschpacko noch übrig ist, der sich mal meinen Namen gekrallt hat. Also: Nur zu, und deren Support kontaktieren. Die haben was gelernt.

  18. Die haben auf meine Aufforderung hin, einen Link auf eine Verlinkung zu entfernen, direkt die komplette Seite zu allen meinen Namesvettern gelöscht… anscheinend sind die es mittlerweile gewohnt!