Axel Hacke

2. Juli 2007

Es sind solche Sätze, die einen nicht mehr loslassen:

Nachts, wenn ich einsam bin, wenn mich die letzten Gesichter auf dem Fernsehschirm verlassen haben und weiße Krokodile sich langsam aus dem Spülstein schieben, setze ich mich gern ein wenig in die Küche und unterhalte mich mit meinem Kühlschrank.

Ich schätze diese Gespräche.

Der gute alte Kerl, er heißt im übrigen Bosch, hat immer was zu trinken da, und sein Verstand analysiert die Dinge auch zu dieser Stunde eiskalt.

Was hier wie eine hanebüchene Mischung aus Horrorstory und Psychodrama über den einsamen, alkoholabhängigen Mann beginnt, ist der erste Absatz von Axel Hackes Text “Nächte mit Bosch”. Seine Gespräche mit dem trübsinnigen und wortkargen besten Freund, der immer noch ein nächstes Bier spendiert, füllen mittlerweile eine ganze Reihe Bücher.

Ungezählte Kolumnen hat Axel Hacke seither über seinen Alltag als Mann geschrieben und im Magazin der Süddeutschen Zeitung veröffentlicht, Woche für Woche Texte voller sprachlicher Brillanz und zartem Humor. Bosch ist nicht alleine im Hacke-Ensemble: Söhnchen Luis und Ehefrau Paola sind Stichwortgeber und Initialzünder für Hackes mäandernde Betrachtungen. Hackes Texte sind so treffend, dass ich seit der Lektüre von “Bügäln!” kaum eine Politiker-Pressekonferenz im Fernsehen sehen kann, ohne im Hinterkopf Kanzler Kohl “Regierän!” brüllen zu hören, ein Schnippsel aus Ich hab’s euch immer schon gesagt.

Junge Väter, die ihren protestierenden “Fortpflanz” (Angelika Hager) in den Kindergarten chauffieren oder die Katastrophe “Familienurlaub im Selbstversorgerappartement” am eigenen Leib erleben, sparen sich langwierige Erläuterungen ihres Gefühlslebens. Es reicht, Hackes Text zur fraglichen Situation zu zitieren – so treffend und gleichzeitig tröstend schreibt er über den täglichen Lernfortschritt des ungelernten Familienvaters.

Seinen heutigen letzten Beitrag und damit seine Mitarbeit beim Berliner Tagesspiegel beendet Axel Hacke nach dreihundert Kolumnen mit einem kurzen “Adieu, adieu”. So traurig das für sprachliche Feinschmecker in Berlin auch ist: Ich hoffe, dass dafür wieder mal ein neues Hacke-Buch erscheint.

Denn: Axel Hacke ist einer der besten Texter der Welt.

(via)