“Der Pathologe” von Jonathan Kellerman

11. August 2006

Jonathan Kellerman hat, so schreibt der Verlag am Buchcover, “den psychologischen Thriller zur Kunstform erhoben”.

In “Der Pathologe”, falls dieser Roman in diese Kunstform fällt, liegt der Schwerpunkt jedenfalls auf rund 350 seiner 376 Seiten auf dem Feld der Psychologie. Ein Hauch Spannung stellt sich erst auf den letzten paar Seiten ein.

Der Protagonist Jeremy Carrier ist Psychodoktor am Krankenhaus und verbringt seine einsame Freizeit damit, die Bauchschmerzen seiner eigenen Seele zu diagnostizieren. Autor Kellerman verliert sich in Andeutungen einer schweren Kindheit seines Helden, langer Einsamkeit und den verständlichen Nachwehen, die der Verlust seiner ersten Geliebten Jocelyn für Carrier bedeutet.

Jocelyn wurde ermordet, der Täter nicht gefasst. Lange Zeit später erhält Jeremy Carrier Botschaften, die er als Hinweise auf den Täter deutet, und vermutet, dass der weise ältere Pathologe des Krankenhauses hier die Hand im Spiel hat. Die anschließende Schnitzeljagd inklusive weiterer Hinweise, konspirativer Zusammenkünfte in abgelegenen, auf nebelverhangenen Straßen erreichbaren Räumen eines “Clubs” (Originaltitel: “Conspiracy Club”) und falscher Verdächtigungen führt schlussendlich zur erwarteten Aufdeckung eines Serienmörders, auf den man bei aufmerksamer Lektüre ab dem ersten Viertel des “Thrillers” getippt haben könnte.

Jeremy Carrier möchte ein Fachbuch schreiben, leidet aber an Schreibhemmung und wird nicht fertig. Jonathan Kellerman hätte sich ein Beispiel nehmen sollen.