“Ein gutes Leben ist die beste Rache” von Selim Özdogan

26. Dezember 2005

“Es ist so einsam im Sattel, seit das Pferd tot ist.”

Wer Romane mit solchen Titeln schreibt, schreckt auch vor einem Vergleich mit Max Goldt nicht zurück. Aber dazu mehr ein ander Mal.

Jetzt geht’s um “Ein gutes Leben ist die beste Rache”, eine Sammlung von 33 Geschichten plus Bonustrack.

Zum Beispiel eine über einen Mann so um die zwanzig.

Durch die Mauer zur Nachbarwohnung hört er eine Frau stöhnen, neidet dem Nachbarn den Erfolg bei den Frauen und bedauert sich selbst für seine monatelange unfreiwillige Enthaltsamkeit. Selbst die paar Beziehungen, die er bisher hatte, waren nicht so erfüllend wie die nur durch einige Zentimeter Ziegel und Mörtel von ihm entfernte Szene in der Nachbarwohnung. Als er die erhitzte Frau aber kurz darauf am Gang sieht, trifft ihn die Erkenntnis wie ein Blitz: Es ist nicht nur pures Pech, das ihn verfolgt…

Ich stelle mir vor, wie Selim Özdogan in der Runde von Bekannten Anekdoten sammelt und daraus einen Fleckerlteppich webt, Eigenes dazu flicht und Absurdes einbaut. Hoffnungen, Entäuschungen, graue Wirklichkeit und bunte Fantasien, keine Sentimentalität und viel bröseltrockener Humor.

Es entsteht ein Sammelsurium von kurzen Stücken, die eine Kreuzung aus Axel Hacke (ohne Familie) mit Max Goldt (ohne kaskadierende Sprachkapriolen) geschrieben haben könnte. Nicht alle der 33 Stories bleiben auf gleich hohem Niveau, aber die Edelsteine sind dicht gesät, und der Rest macht auch viel Freude.

“Ein gutes Leben ist die beste Rache” gibt’s bei amazon.

“Es ist so einsam im Sattel, seit das Pferd tot ist.” ebenso.