Ihr, die ihr Musik kaufet: Lasset alle Hoffnung fahren!

17. Februar 2006

An manchen Tagen kommt’s geballt. Zum Beispiel heute:

Irgendwer muss mir mal erklären, was die Musikindustrie mit ihren restlichen Kunden vorhat. 2005 scheitert der patscherte Versuch, mit dem Sony-Rootkit die Kontrolle über die PCs der braven Käufer zu erlangen, und für Sony endet der Versuch mit einem Desaster.

Da würde man doch erwarten, dass wer daraus lernt und etwas vorsichtiger wird. Aber nein:

Ein Anwalt der RIAA meint, es ist nicht das gute Recht jedes CD-Besitzers, diese gekaufte Musik auf einen iPod oder andere mobile MP3-Player zu übertragen. So berichtet die EFF:

…the RIAA and other copyright industry associations submitted a filing that […] space-shifting and format-shifting do not count as noninfringing uses, even when you are talking about making copies of your own CDs.

(via, Hervorhebung von mir)

Was kann das Ziel einer solchen Ansage sein? Um das zu ergründen, folgen wir einfach den Spuren des Geldes:

  • CD-Besitzer werden sich nie und nimmer davon abhalten lassen, ihre Musik auch auf den iPod zu übertragen. Das kostet weder Zeit noch Geld, die Software dazu hat jeder auf seinem PC und auch das Unrechtsbewusstsein wird sich nicht einstellen. Hier ist also für die Musikindustrie nichts zu verdienen.
  • Trotzdem kann die Musikindustrie den Käufern dieses Recht verweigern, sofern sie nicht eine “Lizenz zur Umwandlung von Musik in ein anderes Datenformat” erwerben. Der Gesetzgeber muss nur der Argumentation folgen und die Copyright-Gesetze in diese Richtung verschärfen. Und dann wird das passieren: Ähnlich wie schon jetzt Lizenzgebühren und Abgaben im Preis jedes CD-Rohlings und jedes CD-Brenners enthalten sind, wird die Musikindustrie eine pauschale Abgabe auf MP3-Player fordern. Zu bezahlen beim Kauf. Einzige Voraussetzung dafür ist: Man muss dem Eigentümer einer CD das Recht zum Rippen absprechen.

Ja, so kann das funktionieren.

Aber warum hat das niemand Amazon gesagt? Die haben ganz andere Pläne, wie man auch heute erfahren kann.

Amazon plant, selbst Musik online zu verkaufen und mit einem eigenen Musikplayer zu bündeln. Wer wird einen Musikplayer kaufen, den er nur mit Musikdownloads aus einer einzigen Quelle füttern kann? Gibt’s Musikliebhaber, die keine CDs mehr besitzen wollen? Wird Amazon sein Gerät für den Apple iTunes Music Store öffnen? Ich denke, nein.

Das Schöne an dieser perfekt vergeigten Beziehung zu den eigenen treuen Kunden: Keine gute Tat bleibt ungesühnt, und so hat zumindest einer der Verantwortlichen bei Sony heute seinen Hut nehmen dürfen.

Schätzungen zufolge wird Sony Deutschland für das im März zu Ende gehende Geschäftsjahr 2005 einen Verlust von 30 bis 40 Millionen Euro ausweisen.

Wetten, dass daran ausschließlich die bösen Privatkopierer Schuld tragen?