iPod Mini: Wenn’s mal nicht so läuft…

15. August 2005

iPod® Touch

Irgendwann wird jeder schwach: Ein portabler MP3-Player muss her! Kein Ramsch, was Ordentliches. Schön soll er sein und einfach funktionieren. Die logische Wahl auf Grund der Medienberichte und der Ökosphäre, die darum entstanden ist: Ein Apple iPod mini mit 6 GB.

Das war keine gute Entscheidung.

Mein neuer iPod wird geliefert: Dead On Arrival

Mai 2005

Im Auslieferungszustand ist jeder iPod für den Betrieb an einem Apple Mac eingerichtet.

Als erster Schritt für den Betrieb an einem Windows-PC muss die Festplatte des iPod neu formatiert und die Software auf dem iPod durch eine zu Windows passende ersetzt werden. Das erledigt der iPod Updater1, der auch eventuelle spätere Upgrades der Firmware in den MP3-Player transferiert.

Mit iTunes2 werden MP3-Musiktitel in den iPod übertragen. iTunes beobachtet einen oder mehrere Ordner auf der PC-Festplatte und synchronisiert entweder automatisch oder auf Anforderung Songs, die sich in diesen Ordnern befinden, mit dem Inhalt des iPods. Dabei ist iTunes strikt: Songs, die von der Festplatte gelöscht werden, werden auch vom iPod gelöscht. Das geschieht wohl zur ***Beruhigung der Rechteinhaber in der Musikindustrie***, die damit erreichen können, dass sich gekaufte Musik nach Ablauf der Lizenzierungsdauer auf allen Wiedergabegeräten in Luft auflöst. Oder aus irgendeinem anderen paranoiden Grund, ich mag’s gar nicht wissen.

iTunes synchronisiert langsam und bricht ab

Die Synchronisation geht in meinem Fall während der ersten dreißig Lieder enttäuschend zäh und bricht dann mit der viel sagenden Fehlermeldung “unknown error (-36)” ab3. Bezüglich möglicher Ursachen dieses Fehlers, was dagegen zu tun wäre oder ähnlicher für moderne Software übliche Unterstützungsansätze schweigt iTunes und die Online-Hilfe.

An der telefonischen Support-Hotline von Apple4 weiss man gleich, woran das liegt: Erforderlich ist eine USB-2.0-Schnittstelle, die ich nicht habe. Mit einer USB-1.1-Schnittstelle funktioniert der iPod nicht zuverlässig. Alles in allem ein nettes Gespräch, das mit einigen Scherzen über den Apple Newton von einst zu Ende geht. Ich erweitere also meinen zugegebenermaßen etwas älteren PC mit einer PCI-Karte, die zwei USB-2.0-Schnittstellen nachrüstet.

Erfolg: Keiner.

iPod zu Tode neu-initialisiert

Also gehe ich den nächsten Schritt, der im iPod-Handbuch empfohlen wird: Eine Neuinitalisierung. Dabei wird die iPod-Festplatte vollständig gelöscht und die Firmware neu installiert. Die Neuinitialisierung wird ohne Murren durchgeführt, bloß findet iTunes im Anschluss keinen iPod mehr. Ich schalte den iPod aus und wieder ein: Der iPod antwortet mit einem durchgestrichenen Ordnersymbol an Stelle des Menüs auf dem Display. Das war’s, Ende.

Wieder an der telefonischen Supporthotline: Ja, das kennt man. Die iPod-Festplatte ist defekt. Ich habe zwei Möglichkeiten: Reparatur bei einem Apple-Händler (das ginge schneller, allerdings wohne ich mehr als 50 km vom nächsten Apple-Händler entfernt) oder bei Apple selbst. Ich entscheide mich für die Reparatur bei Apple, die Hotline rechnet mit zwei bis drei Wochen Reparaturdauer.

Per UPS erhalte ich eine Leerverpackung, in die ich den defekten iPod einpacke. Damit habe ich meinen iPod das letzte Mal gesehen. UPS transportiert den iPod mini am 25. Mai 2005 nach Holland zur Reparatur.

iPod mini rein, iPod Photo raus

Schon drei Tage später erhalte ich ein Paket von Apple. Ich bin ein zufriedener Kunde: “Apple hat tolle Geräte, und wenn es mal Probleme gibt, funktioniert die Logistik und der Service”.

Aber das Paket birgt eine Überraschung: Apple schickt mir einen iPod Photo mit 60 GB zusammen mit einem an den MediaMarkt Köln adressierten Lieferschein. Da hat man wohl was verwechselt, und mein iPod mini ist nun in Köln.

Juni 2005

Als ehrlicher Mensch sende ich den iPod Photo zurück an Apple und erhalte von der Supporthotline die Zusage, dass mein iPod innerhalb der nächsten sieben Tage bei mir eintreffen würde.

Drei Wochen und zwei Urgenztelefonate später erhalte ich am 24. Juni 2005 ein Paket von Apple: Eine leere Schachtel… Offensichtlich erwartet Apple irgendeine Zusendung von mir.

Ein Telefonat mit der Hotline resultiert in der mittlerweile erwarteten Zusage: Man werde meinen reparierten iPod unverzüglich absenden, der Customer Service sorgt dafür. Der Call-Center-Agent kann sich sogar noch an meinen ersten Anruf vor gut einem Monat erinnern. Das nenne ich personalisierten Service…

Juli 2005

Kein iPod. Die Apple-Hotline verspricht den Rückruf eines Mitarbeiters aus dem Customer Service (das ist wohl das zweite Niveau nach dem Call Center) innerhalb von 24 Stunden. Niemand ruft zurück.

Den Kontakt mit der Apple-Hotline halte ich mittlerweile für eine zwar einfache, aber trotzdem langweilige Methode, mit netten Menschen zu plaudern und (teilweise unbekannte) zeitgenössische Warteschleifenmusik zu hören. Ans Ziel werde ich so wohl nicht kommen.

Letzte Rettung: Apple Österreich

Nachdem das Eskalationsmanagement bei Apple keine kompetenten Personen ins Spiel brachte, recherchiere ich also selbst Adresse und Managementkontakt von Apple Österreich5. Angenehmerweise hat der österreichische Ableger gerade im Juni 2005 einen neuen Geschäftsführer erhalten, die Medien sind also reichhaltig mit Details gefüttert.

Am Telefon erreiche ich die Marketingleiterin von Apple Österreich, die nach Rücksprache mit ihren Kollegen in den Niederlanden zusagt, dass ich meinen iPod endgültig innerhalb der nächsten sieben Tage erhalten werde.

Acht Tage später erhalte ich einen iPod mini von Apple. Ja. Wirklich.

August 2005

Nach Anschluß an den PC zeigt der iPod die gleiche Zähheit beim Transfer von Songs, der PC verbindet sich mit dem iPod und verliert die Verbindung Sekunden später wieder, iTunes reagiert unwillig auf Mausklicks. Kurz: Das ist nicht auszuhalten und weit entfernt von angenehmem Betrieb.

Eine neuerliche Recherche im Web zeigt, dass einige iPod-Benutzer dieses Symptom auch schon erlebt haben und als letzte Lösungsmöglichkeit vorschlagen, den iPod über Firewire an den PC anzuschließen. Dazu benötigt man eine Firewirekarte im PC und ein Verbindungskabel zum iPod.

iPod Mini plus Firewire: Ein Traumpaar

Ich kaufe eine günstige Firewire-PCI-Karte und ein Nachbaukabel für die Verbindung bei eBay um 7,99 EUR. Das Verbindungskabel gäbe es auch von Apple, allerdings zum Preis von 19,90 EUR. Das erscheint mir ungerechtfertigt.

August 2005

Die Karte steckt im PC, das Kabel verbindet die Karte mit dem iPod, der iPod-Akku wird geladen und mehr als 600 Songs werden innerhalb weniger Minuten in den iPod transferiert. So stellt man sich das vor.

Alles in Butter, es bleiben halt einige Fragen offen:

  • Warum sagt mir die Apple-Hotline nichts über Firewire?
  • Hat der MediaMarkt Köln immer noch einen überzähligen iPod mini?
  • Was wäre passiert, wenn ich nicht direkt mit der Marketingleiterin von Apple Österreich gesprochen hätte?
  • Wäre ich mit einem MP3-Player wie dem iRiver H-10 oder dem Olympus m:robe MR-100 glücklicher geworden?
  • Was kostet Apple die Hin- und Hersenderei von Schachteln zwischen Österreich und 4837 Breda in Holland, wenn der Listenpreis von UPS für eine solche Dienstleistung bei circa 55 EUR liegt?
  • Warum brauche ich Zusatzsoftware von Drittherstellern wie YamiPod, um mehr als einen PC mit meinem iPod zu verbinden und andere an sich selbstverständliche Features zu erhalten?
  • Ist es wirklich nötig, den unvermeidlichen Akkutausch bei allen iPods zu einer solch teuren Angelegenheit und damit zum Äquivalent eines Totalschadens zu machen?

Fußnoten

1 Download für iPod Updater

2 Download für iTunes

3 Das Web ist voll von Hilfesuchenden, die mehr über iTunes und dessen unknown error (-36) wissen wollen.

4 Apple Support Österreich: +43 (810) 300 427

5 Apple GmbH Österreich: +43 (1) 71182-0

(Foto: iPod® Touch bei lenzing.in)

Kommentare

  1. Der Akku-Austausch ist eigentlich keine große Sache, das kann man mit entsprechenden Anleitungen und eben einem neuen Akku auch schnell selbst erledigen. [1],[2].

    Was wäre eigentlich passiert, wenn du den 60 GB iPod behalten hättest?

    [1] http://cgi.ebay.de/ws/eBayISAPI.dll?ViewItem&item=7544817561
    [2] http://www.ipodbattery.com/
  2. Tatsächlich haben einige der beteiligten Apple-Mitarbeiter, die sich meine Geschichte an der Hotline und anderswo angehört haben, gemeint: Die Rücksendung des iPod Photo 60 GB sei ein Fehler gewesen, g’scheiter wär, ich hätte ihn unehrlicherweise behalten.
  3. Ich nehme an der 60GB iPod Photo war der “Ersatzipod” den man immer bekommt wenn man im ramen der Garantie seinen iPod zur Reparatur schickt.

  4. Nein, das war kein Ersatz-iPod, sondern eine Fehllieferung, die gemäß den beiliegenden Lieferdokumenten an den oben genannten Elektro-Großmarkt gehen sollte, aber offensichtlich in der an mich adressierten Versandverpackung landete.

    Leider war meine Odyssee zum Thema iPod-Reparatur damit noch nicht zu Ende.