“Kleine Fische” von Enrico Remmert

7. Dezember 2005

Vittorio ist in seinen Zwanzigern, lebt in Turin, betrügt zusammen mit Milo Versicherungen und pubertäre Kiffer und begehrt mit Gewissensbissen Milos Freundin Cristina. Das harte Leben fließt vorbei, im Dunkel der Bars schimmert der Traum vom großen Coup rosarot in der Zukunft.

Grissino ist Milos charismatischer Onkel, ein Philosoph und begnadeter Betrüger. Der Mentor, der das Wissen hat, den großen Coup auch wirklich durchzuziehen. Zusammen ergaunern die vier hunderte Millionen Lire mit einem groß aufgeblasenen, pendantisch geplanten und exakt durchgeführten Luftgeschäft. Und am Ende bleibt für Vittorio trotzdem nichts außer der Erkenntnis, dass sein Leben am Bartresen stattfindet.

Vittorios Lebensumstände ähneln denen von Walter in Guiseppe Culicchias “Knapp daneben”: Erwachsen, aber verantwortungslos. Ehrgeizig, aber inkonsequent. Aber: Im Gegensatz zu “Knapp daneben” sind die “Kleinen Fische” voller Lebenslust, Augenzwinkern und glitzernder Szenen. Vittorio führt ein buntes Leben mit Selbstironie und Eloquenz. Gut eingerichtet in einer wirtschaftsdominierten Weltordnung setzt er seine Intelligenz ein und lebt von der aufgeblasenen Arroganz und Selbstüberschätzung der Vermögenden.

Enrico Remmert verzichtet auf die übliche Italienfolklore und hält die Szenerie neutral. Der Schauplatz ist Turin, genauso gut könnte es aber Linz oder Paris sein. Remmerts Beobachtungen sind scharf, die Sprache lässig, aber nicht nachlässig. Und für manche Sätze möchte man Remmert inständig danken.

So macht Dolce Vita Spaß.

“Kleine Fische” gibt’s bei amazon.