“Löcher, noch und nöcher” – Der Weihnachts-Biermösel-Krimi von Manfred Rebhandl

27. Dezember 2006

Der Bad Ausseer Gendarm Biermösel vegetiert im Alkoholdusel durch sein von Schweinsbratl und Schnaps abgestecktes Dasein. Er ist ein Unsympathler erster Güte, der in einem Biotop aus alpinen Sonderlingen die Jahre bis zum Ruhestand deliriert.

Romanaufbauten in einem spezifisch österreichischen Umfeld mag ich an sich gerne, so habe ich vor vielen Jahren die Einführung in das Steirertum “Aus dem Leben Hödlmosers” von Reinhard P. Gruber oder letztlich eine ganze Reihe von Wolf Haas-Krimis mit Simon Brenner recht gern gelesen. Hödlmoser und Brenner sind beides kaputte, vom menschlichen Umfeld und Alkohol geschliffene Typen, deren Geschichte in einer Sprache erzählt wird, die mit viel Lust österreichische Dialektfarben und überspannte Wortspiele vereint.

Der deftige Schwank “Löcher, noch und nöcher” um den Gendarmen Biermösel lässt nach den ersten paar Absätzen ähnliche Saiten anklingen, man hat noch Hoffnung. Bloß: Es kommt nicht mehr, der Schmäh wird bald schal. Als dürres Handlungsgerüst wiederholen sich die ewig gleichen Szenen rund um die rauschigen Abstürze des Gendarmen mit seinem Dienst-Moped auf vereisten Strassen hin zum Dorfwirtshaus und retour und andere für mich recht belanglose Widrigkeiten. Mag sein, dass die dekorativ eingestreuten Kraftausdrücke und stammtisch-pornografischen Exkurse für manche ein Zeichen von Sprachgewalt oder Originalität sind. Ich halte das für ein aufgesetztes Stilmittel, dem die Bemühung um “Saft und Kraft” auf hundert Meter anzusehen ist.

“Der Standard” wird am Bucheinband als Testimonial geführt:

Mit der Figur des freudlosen Gendarmen Biermösel ist Manfred Rebhandl ein gewaltiger Wurf gelungen.

Nicht erwähnt wird, dass sich die positive Erwähnung auf Rebhandls ersten Roman “Lebensabende und Blutbäder” bezieht. Ich will’s nach der Enttäuschung mit dem Nachfolge-Roman nicht genauer wissen.

Dass die Hauptfigur ihre Tage als Zerrbild eines Landgendarms verbringt, scheint für den Czernin-Verlag die Kategorisierung als Krimi zu rechtfertigen. Wegen der völligen Abwesenheit von Verbrechen, Spannung, menschlichen Abgründen oder irgend einem anderen der für das Genre typischen Signale klingt das mehr nach einer Notlösung als Folge der peinlichen Erkenntnis beim Verleger, dass der Autor ein sonst nirgendwohin schubladisierbares Werk abgeliefert hat.

Ich hätte es zu all den abgelehnten Manuskripten gesteckt. Es wird bei Czernin wohl solch’ ein Plätzchen geben, wie in jedem anderen Verlag auch…