“Speaking with the Angel” von Nick Hornby

11. April 2006

Nick Hornby’s Sohn Danny ist Autist.

Kinder mit dieser Krankheit brauchen Schulen und Lehrer, die damit umgehen können. Zumindest in Großbritannien hat der Staat offensichtlich wenig Interesse daran, dafür Mittel zur Verfügung zu stellen, die betroffenen Eltern sind daher auf Selbsthilfe angewiesen. Der Treehouse Trust ist eine karitative Organisation, die von einigen betroffenen Eltern gegründet wurde und die eine speziell für autistische Kinder ausgerichtete Schule betreibt. Das kostet, und hier kommt “Speaking with the Angel” ins Spiel.

Zwölf Geschichten

Nick Hornby schrieb selbst ein Stück, rief und sammelte Beiträge von elf weiteren Komplizen. Deren Beiträge bilden “Speaking with the Angel”, der Erlös kommt dem Treehouse Trust zu Gute.

Wer sich vom Namen des Herausgebers verleiten lässt und deswegen kindliche Schrullen erwachsener britischer Helden wie einst bei “High Fidelity” oder “How To Be Good” erwartet, wird enttäuscht werden.

Die zwölf Autoren verstehen ihr Handwerk, das merkt man den Stories an. Trotzdem springt oft kein Funke über und viele der Geschichten beginnen und enden in der Belanglosigkeit oder – ärger – in der bemühten Originalität.

Dabei wären Ansätze vorhanden: Der Premierminister, der seinen Bodyguards während einer Rast auf der Autobahn durch das WC-Fenster entkommt und diese kleine Flucht durch eine Schlägerei mit einem unbequemen Journalisten krönt (und dafür vor dem Parlament gewunden Erklärungen findet) oder die Berichte einer Gefängnisköchin über die Menüwünsche zur Henkersmahlzeit. Aus diesen Ansätzen formt sich nur eine flach gehaltene Anekdote, eine Portion gefühliger innerer Monolog.

Positiv auffällig

Es ist immer die selbe alte Leier bei Sammlungen von short stories: Als Lesesüchtiger kann man nicht einfach mitten in einer Geschichte aufhören und zur nächsten weiterzappen. Es könnte ja eine Perle sein, nur eben erst spät erkennbar. Muss wissen, wie es endet. Gier. Qual.

Belohnt wird die Ausdauer bei einigen Beiträgen wie denen von Zadie Smith, Helen Fielding (ja, die mit Bridget Jones’ “Schokolade zum Frühstück”) und von Nick Hornby selbst. Da geht’s nicht nur um exzentrisches Personal, die Autoren können um die konstruiert ungewöhnlichen Figuren Situationen entstehen lassen, bei denen Leselust aufkommt: Ein dumber Wachmann, der seine Neigung zu dem von ihm bewachten Kunstwerk entdeckt. Geschwisterneid und Familienhackordnung. Alternde Grazien.

Sei’s drum, schliesslich ist es für einen guten Zweck: “Speaking with the Angel” kann man durchaus kaufen. Aber erst, nachdem die Romane von Nick Horby gelesen sind…