Besser als Dan Brown: “Die Gerechten” von Sam Bourne
12. Mai 2008
Das Pickerl auf dem Cover zitiert die “Brigitte” mit einer mutigen Ansage: “Besser als Dan Brown.” Viel Lob findet man auch auf der Cover-Rückseite, so sagt der SPIEGEL über Sam Bournes Die Gerechten: “Einer der besten der Saison”.
Worum geht es?
“Die Gerechten “ segelt im Kielwasser von Dan Browns Sakrileg, das erschließt sich schon alleine aus der Gestaltung des Umschlags mit Kreuzsymbolik und blutroter mittelalterlicher Schrift.

Bournes Thriller entsteht aus einem bekannten Satz von Zutaten: Archaische Mythen, religiöse Eiferer, Schauplätze rund um die Welt und ein anfangs ahnungsloser Held, der mit Hilfe einer klugen und schönen Frau tiefer und tiefer in die komplexen Zusammenhänge einsteigt.
Will Monroe ist Jungjournalist bei der New Yorker Times, unerfahren und ambitioniert. Zufällig stößt er auf Zusammenhänge zwischen zwei Morden, die an der Oberfläche kaum miteinander in Verbindung zu bringen wären: Beide Mordopfer sind zwar Zeit ihres Lebens keiner offiziell ehrenwerten Beschäftigung nachgegangen, haben aber unerkannt und anonym Gutes getan.
Viel Zeit bleibt Monroe nicht, diese Spuren weiter zu verfolgen – die Nachricht von der Entführung seiner geliebten Frau trifft ihn wie ein Keulenschlag, und seine gesamten Recherche-Kenntnisse setzt er nun natürlich dafür ein, seine Frau wieder zu finden.
Die Spuren führen in die traditionell jüdisch-chassidische Kultur im New Yorker Stadtteil Crown Heights – einem Viertel wie aus einem anderen Zeitalter. Will Monroe versichert sich der Hilfe seiner früheren Geliebten und eines computererfahrenen Freundes, um die Spuren in der jüdischen Gemeinde weiter zu entwirren.
Bald wird Will klar, dass die Entführung seiner Frau nur ein kleiner Mosaikstein im Gefüge einer Verschwörung ist, die ihre fundamentalistische Ideologie aus der Geschichte um Gottes Zerstörung der Stadt Sodom im Alten Testament ableitet – Massenmord inklusive. Will Monroe bleiben kaum zehn Tage, um die Köpfe der Verschwörungsbewegung zu identifizieren und damit auch seine Frau aus den Händen der Entführer zu retten.
Besser als Dan Brown?
Einen Thriller mit religiösem Hintergrund besser als Dan Brown zu schreiben ist eine hohe Herausforderung. “Die Gerechten” schafft die Hürde – zum Teil.
Zum Ersten: Anders als Dan Brown vermeidet Sam Bourne die allzu offensichtlichen cliff hanger, also spannungsgeladene Kapitelenden, die den Helden mitten in einer Gefahrensituation aus unserem Blickfeld bringen. Bei Dan Brown merkt man nach einigen dieser Konstruktionen die Absicht und fühlt sich als Leser unterschätzt.
Zweitens: Sam Bourne hat besser recherchiert. Die Aktionen seines befreundeten Internetgurus sind nicht sol peinlich fehlerhaft wie etwa Browns Erläuterungen zu Computerviren in Diabolus.
Aber: All das macht noch kein besseres Buch aus “Die Gerechten”. ein Thriller in brown’schen Stil lebt von der atemlosen Spannung, überraschenden Wendungen und gut verwobenen wissenschaftlichen Fakten.
“Die Gerechten” kann bei allen diesem Faktoren punkten.
Mein Fazit: Nicht besser als Dan Brown, aber sicher ein lesenswerter Thriller für alle, die das Warten auf den nächsten Brown-Roman gerne mit einem Buch in seinem Stil überbrücken wollen.
Die etwas älteren Kinogeher erinnern sich vielleicht noch an “Trainspotting”, mit dem Ewan McGregor erstmals international aufgefallen ist. Spätestens seit seiner Darstellung des jungen Obi-Wan Kenobi in den “Star Wars”-Sequels ist Ewan McGregor in der ersten Liga der Hollywoodstars angelangt.