Wenn das Internet in Windows Vista langsam wie zähe Lava fließt

5. November 2007

Neulich hatte ich meine ersten intensiveren Kontakt mit Windows Vista (ich bin kein early adopter, wenn’s um Betriebssysteme geht) – und ich war enttäuscht. Zwar ist die Aero-Oberfläche optisch reizvoll, auch an der neuen Bedienung kann man ein paar positive Aspekte entdecken, aber insgesamt fühlte ich Ähnlichkeiten zu auskühlender zäher Lava. Das Netzwerk war quälend laaangsaaam…

Die Hardware schied als Ursache aus: Das Samsung-Notebook M60 mit 2 GB RAM und intel Core 2 Duo ist eindeutig üppig ausgestattet.

Schuld an der Misere war scheinbar der “New Generation TCP/IP Stack” in Windows Vista, der sich selbst auf die bestmögliche Netzwerkperformance einstellen sollte und dafür ein Feature namens Receive Window Auto-Tuning mitbringt. In meiner Hardwarekonstellation tat er offensichtlich das Gegenteil.

Überprüfung der Netzwerkhardware auf Vista-Kompatibiliät

Von Microsoft gibt’s ein Online-Tool, das die Kompatibilität der eigenen Netzwerkkomponenten wie NIC oder WLAN-Router mit dem Vista-TCP/IP-Autotuning überprüft. Die Testresultate liefern eventuell erste Hinweise auf Vista-Unverträglichkeiten der Netzwerkhardware. In meinem Fall war zwar alles in bester Ordnung – nur das Internet war halt langsam.

Receive Window Auto-Tuning konfigurieren

Der TCP/IP-Stack ist über die Netshell auf der Windows-Kommandozeile konfigurierbar. Das geht so:

  • Öffne eine Eingabeaufforderung mit Administratorrechten
  • Aus Neugier: Zeige die derzeitige Konfiguration des TCP/IP-Stacks an
    netsh interface tcp show global
    Die Zeile Receive Window Auto-Tuning Level oder Autom. Abstimmungsgrad Empfangsfenster in der deutschen Vista-Ausgabe zeigt den derzeit eingestellten Wert fürs Auto-Tuning an.
  • Drehe an den Netzwerk-Schrauben:

    Schalte das Autotuning komplett ab mit dem Befehl

    netsh interface tcp set global autotuninglevel=disabled

    Oder erlaube nur sehr eingeschränktes Autotuning:

    netsh interface tcp set global autotuninglevel=highlyrestricted

  • Schalte das Autotuning wieder ein, falls die Netzwerk-Geschwindigkeit nicht steigt:
    netsh interface tcp set global autotuninglevel=normal

Die Einstellung auf highlyrestricted bringt eine gefühlte Verbesserung. Mal schauen, wie lange das anhält…

Nachtrag: Das Fazit aus ein paar Tagen Test: Weder die Einstellung highlyrestricted noch normal ändert das Verhalten der WLAN-Schnittstelle. Mal läuft’s gut, dann wieder nicht. Dubios.

(Foto: ryano)

Kommentare

  1. Danke für den Tip. Ich hab Vista auch nur kurz angetestet auf einer zweiten Partition aber eben nur angetestet weils doch einige Macken gab. Werde jetzt mal deinen Trick ausprobieren.

  2. Mir ist Vista ebenfalls zu langsam, teilweise habe ich sogar gefühlte “Netzwrk-Totalaussetzer”. Ich werde es mit highlyrestricted testen und hoffe auf Verbesserungen. Danke für den Tipp.

  3. Etwas schmunzeln musste ich beim Lesen des Beitrags: Eine Auto-Tuning-Funktion die dafür sorgt das man sich an zäh fließende Lava erinnert fühlt…. einfach köstlich.

    Hauptsächlich habe ich jetzt Mitleid mit den DSL-Anbietern, die werden durch die Auto-Tuning-Funktion von Vista sicherlich den einen oder anderen verärgerten Kunden an der Strippe haben ;-)